Kundenprojekte – Von der Theorie zur Realität – Inbetriebnahme eines AutoStore-Systems bei Applitec

Von der Theorie zur Realität – Inbetriebnahme eines AutoStore-Systems bei Applitec

Im ersten Artikel haben wir die typischen Herausforderungen bei der Inbetriebnahme automatisierter Anlagen beschrieben. Das Projekt bei Applitec zeigt exemplarisch, wie sich diese Herausforderungen in der Realität materialisieren – und wie entscheidend deren frühzeitige Beherrschung ist.

Ausgangslage – Wachstum trifft auf strukturelle Grenzen

Applitec entschied sich im Rahmen eines Neubaus, die gesamte Versandlogistik zu zentralisieren. Die Ausgangssituation war geprägt von klassischen Lagerlösungen, papierbasierten Prozessen und einer begrenzten Leistungsfähigkeit bei hohen Spitzenlasten. Mehrere tausend Auftragszeilen pro Tag konnten in Spitzenzeiten nicht mehr zuverlässig abgewickelt werden, bei gleichzeitig steigenden Anforderungen an Qualität und Transparenz.

Das Ziel war klar: Aufbau einer zukunftsfähigen, automatisierten Lösung – mit einem AutoStore-System als zentralem Element.

Projektkomplexität – mehr als nur Technologie

Die Komplexität des Projekts lag nicht in der Grösse der Anlage, sondern in den Rahmenbedingungen:

  • fehlende Erfahrung des Kunden mit Automatisierung
  • begrenzte interne Ressourcen und Kompetenzen
  • Neubau mit teilweise unzureichender logistischer Integration
  • paralleler Umzug mehrerer Standorte
  • getrennte Verantwortlichkeiten für Anlage und IT

Gerade die Schnittstellen zwischen Systemtechnik, IT und Organisation stellten eine zentrale Herausforderung dar. Die Integration eines AutoStore-Systems in eine bestehende ERP-Umgebung ohne entsprechende Vorerfahrung führte zu zusätzlichen Abstimmungsbedarfen.

Umsetzung – wenn Realität auf Konzept trifft

Die kritische Phase lag im Übergang vom bestehenden System zur neuen Lösung. Während Bau und Technik weitgehend im Plan verliefen, zeigte sich insbesondere auf organisatorischer Ebene eine typische Herausforderung:
Die Einführung eines automatisierten Systems erfordert nicht nur Technik, sondern ein grundlegendes Verständnis und die Akzeptanz der zukünftigen Arbeitsweise.

Die IT-Integration verzögerte sich weniger aus technischen Gründen als durch die notwendige Abstimmung mit den zukünftigen Anwendern. Gleichzeitig lief der operative Betrieb weiter, während die neue Lösung vorbereitet wurde – eine Konstellation, die präzise Koordination verlangt.

Inbetriebnahme – strukturierte Umsetzung statt Improvisation

Die Inbetriebnahme erfolgte in einer gestuften, aber kompakten Vorgehensweise. Entscheidend war dabei nicht nur die technische Aktivierung des Systems, sondern die schrittweise Stabilisierung der Prozesse.

Wie in vielen Projekten zeigte sich, dass die grössten Herausforderungen nicht in der Technik liegen, sondern in der Nutzung:

  • korrekte Handhabung der Behälter
  • Verständnis der Systemlogik
  • Anpassung der operativen Abläufe

Durch eine enge Begleitung konnte die Anlage jedoch rasch stabilisiert werden. Die initiale Phase war geprägt von hoher Intensität, gleichzeitig aber auch von einer schnellen Lernkurve auf Seiten der Organisation.

Erfolgsfaktoren – was den Unterschied gemacht hat

Der Projekterfolg basierte weniger auf einzelnen Massnahmen als auf einem konsistenten Ansatz über alle Phasen hinweg:

  • Transversale Koordination:
    Enge Abstimmung zwischen IT, Anlage, Gebäude und Organisation – kontinuierlich, nicht punktuell
  • Erfahrung in der Inbetriebnahme:
    Antizipation typischer Probleme und strukturierte Herangehensweise in der kritischen Phase
  • Unterstützung der Organisation:
    Begleitung der Anwender beim Übergang in die neue Arbeitsweise
  • Übersetzung zwischen Kunde und Lieferanten:
    Insbesondere in KMU-Strukturen entscheidend, um Anforderungen klar zu formulieren und umzusetzen.

Gerade in einem Umfeld mit begrenzter Automatisierungserfahrung auf Kundenseite war diese Rolle zentral für die Projektsicherheit.

Fazit

Das Projekt Applitec bestätigt eine zentrale Erkenntnis:

Die erfolgreiche Inbetriebnahme automatisierter Anlagen ist kein technisches, sondern ein systemisches Thema.

Technologie, IT, Gebäude und Organisation müssen synchronisiert werden – und dies unter realen Betriebsbedingungen.
Wer diese Komplexität früh erkennt und strukturiert adressiert, schafft nicht nur eine funktionierende Anlage, sondern eine nachhaltige Lösung im Betrieb.

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